Ich stehe am Zaun – in rund 110 Metern Höhe. Für jemanden wie mich, der leider überhaupt nicht schwindelfrei ist, ist das eine echte Herausforderung. Meine Knie beginnen zu zittern und signalisieren deutlich, dass hier möglicherweise Gefahr droht! Trotzdem gehe ich bis an den Rand, spüre den Luftzug und schaue auf Amsterdam hinab
110 Meter – was ist das schon? Laut dem Council on Tall Buildings and Urban Habitat gibt es weltweit über 15.000 Gebäude, die mindestens 100 Meter hoch sind – wahrscheinlich sind es sogar noch mehr. Was also fasziniert uns so am Streben nach Höhe?
Schon im Alten Testament (Genesis 11, 1–9) bauen die Menschen einen Turm, um bis in den Himmel zu gelangen. Und auch ich bin von Höhe fasziniert! Das Hochhaus, für das ich in den 1990er Jahren die Projektleitung hatte, war ebenfalls 110 Meter hoch. Höhe ist einfach etwas Faszinierendes.
Ich habe das Gefühl, von hier oben den totalen Überblick zu haben – nichts kann sich verstecken. Unter mir liegt die Stadt, die wuselt wie ein Ameisenhaufen. Die Aussichtsplattform des A’DAM Tower bietet mit ihrer spektakulären Rundsicht den ultimativen Blick auf Amsterdam. Eigentlich.
Heute jedoch hat sich die Stadt versteckt – unter einem dichten Wolkenschleier, durch den meine suchenden Blicke einfach nicht hindurchdringen. Ausgerechnet heute. Und doch hat auch das etwas Besonderes.
Wir bauen hohe Türme, doch manches bleibt verborgen. Ich denke noch lange über meine Sehnsucht nach dem „Blick von oben“ nach. Diese Stadt hat viele verborgene Ecken – es wäre auch zu einfach, wenn sich alles sofort zeigen würde. Manchmal ist es spannender, hinter die Fassade oder eben unter die Wolken zu schauen.
Während ich so nachdenke, merke ich, wie mich diese Gedanken mit der nicht ganz perfekten Aussicht versöhnen. Dann sehe ich noch Menschen, die über dem Abgrund schaukeln – aber das ist eine andere Geschichte.