Jetzt ist es also soweit. Ich sitze am Flughafen Frankfurt. Zwischen rollenden Koffern, gedämpften Lautsprecherdurchsagen und diesem vertrauten Geruch aus Kaffee, Technik und Aufbruch. In wenigen Stunden hebt mein Flug nach Hongkong ab. Ein Satz, den ich in der letzten Zeit oft gedacht habe – und der doch erst jetzt wirklich Gewicht bekommt.
Die vergangenen Wochen sahen von außen unspektakulär aus. Termine, Alltag, Gespräche, kleine Routinen. Doch innerlich fühlte es sich an wie dieser Moment vor einem Elfmeter im Finale. Alle schauen zu. Man weiß genau, was zu tun ist. Man hat es geübt, geplant, sich vorbereitet. Und trotzdem wird plötzlich alles schwer. Die Beine, die Gedanken, die Zeit selbst.
Vorfreude ist da. Klar, sie ist da. Aber sie kommt nicht laut und jubelnd, sondern leise, fast vorsichtig. Neben ihr sitzt etwas anderes — eine unsichtbare Last. Kein Zweifel, keine Angst im eigentlichen Sinn. Eher ein Bewusstsein für den Schritt, der jetzt wirklich getan wird. Vielleicht gehört genau das zu einem Traum, der aufhört, Vorstellung zu sein, und beginnt, Realität zu werden.
Die Sportpsychologie empfiehlt eine Extra-Sekunde zum Durchatmen vor dem Schuss. Einen Moment, in dem sich alles sammelt. Ich hätte eher Extra-Stunden gebraucht. Vielleicht sogar Tage.
Meine letzten Vorbereitungen waren überraschend alltäglich. Reisestecker gekauft. Und dabei gelernt, dass selbst ehemalige britische Kolonien unterschiedliche Steckdosen haben. Eine fast poetische Erinnerung daran, dass selbst vermeintliche Gemeinsamkeiten ihre Eigenheiten behalten. Ich reise also mit einem ganzen Arsenal an Adaptern. Metallene kleine Vermittler zwischen Systemen, Normen, Welten. Irgendwie passend.
Der Flughafen wirkt beruhigend normal. Menschen in Bewegung. Gespräche in vielen Sprachen. Monitore mit Zielen, die gleichzeitig fern und trotzdem irgendwie sind. Überall Smartphones, leuchtende kleine Fenster in andere Wirklichkeiten. Ich frage mich, ob Reisende früher ohne digitale Begleiter verloren waren — oder ob wir es heute sind, wenn der Akku leer ist.
Zur Sicherheit habe ich alles auch auf Papier dabei. Bordkarte. Adressen. Notizen. Etwas in mir vertraut noch immer dem Rascheln von Seiten mehr als dem Leuchten von Displays. Nostalgie oder Vorsorge? Vermutlich beides. Vielleicht auch ein leiser Wunsch, den Moment greifbar zu halten.
Ganz langsam spüre ich, wie sich etwas in mir löst. Nicht abrupt, nicht dramatisch. Eher wie ein Knoten, der über Stunden hinweg nachgibt. Die Vorfreude findet ihren Weg, erst zögerlich, dann spürbarer. Sie breitet sich aus, ohne Lärm, aber mit Bestimmtheit.
Wenn das Flugzeug abhebt, lasse ich mehr zurück als nur Frankfurt. Gewohnheiten. Sicherheiten. Selbstverständlichkeiten. Ich verlasse meine Komfortzone!
Ich starte mit einem Vaterunser. Mehr Worte habe ich gerade nicht.
Aber ich vertraue darauf, dass der Empfänger sie einzuordnen weiß.

spannend!!!
Dir einen guten Flug, liebe Grüße, Barbara
Neugierig und mit Spannung verschlang ich deinen ersten heiss erwarteten Blog, besser ausgedrückt, die ersten von dir immer so treffenden Gefühlseindrücke die spürbar aus deiner Seele fließen.
Für viele meiner Gedanken die mir kurz vor deiner Abreise durch den Kopf gingen, habe ich Antworten in deinen Ausführungen gefunden.
Ein bisschen konnte man sich fast an deiner Seite finden.
Mit Vorfreude erwarten wir, wie bei einem spannenden Roman die Fortsetzung. Dieter und Maria-Luise
Wow, jetzt ist das Reiseziel bekannt.😉
Hong Kong, einfach toll. Viel Spaß und spannende Erlebnisse!
(Wir waren 2018 in Hong Kong und fanden es atemberaubend)
Liebe Grüße
Helga