Hallo ihr Lieben,
es hat mich zutiefst bewegt zu sehen, dass einige von euch mich in der Stille der letzten Tage vermisst haben. Oft nehme ich eure Präsenz nur durch Kommentare wahr – kleine digitale Spuren. Viele sind sonst einfach so dabei. Doch diesmal habe ich gespürt, dass da draußen wirkliche Mitreisende sind. Menschen, die nicht nur lesen, sondern mitgehen. Und genau deshalb möchte ich heute etwas sehr Persönliches mit euch teilen.
Ich bin zurück.
Ja, ihr lest richtig. Nach nur fünf Tagen in Hongkong habe ich meine Weltreise abgebrochen. „Warum?“ – diese Frage steht vermutlich unausgesprochen im Raum. Wie beschreibt man einen Moment, in dem das eigene innere Koordinatensystem versagt? Ich saß in einem Hotelzimmer in Hongkong, hoch über einer pulsierenden Stadt – und in mir war plötzlich nur noch Stille. Keine Aufregung, keine Vorfreude, kein Fernweh. Sondern ein innerer Stillstand. Lost.
Meine psychische Verfassung ist nicht einfach ins Wanken geraten – sie ist zusammen gebrochen. Mein Körper setzte eine Grenze mit einer Deutlichkeit, die ich nie für möglich gehalten hätte: Bis hierher. Und keinen Schritt weiter.
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich auf Reisen so etwas wie Angst gespürt. Nicht für einen Moment, sondern über Tage hinweg. Eine existenzielle Erfahrung. Eine, die mich mit einer Ehrlichkeit konfrontierte, der ich nicht ausweichen konnte. Irgendwann fand ich die Kraft, den Laptop aufzuklappen und einen Rückflug zu buchen. Und dann geschah etwas Erstaunliches: In dem Augenblick, als die Buchungsbestätigung aufleuchtete, fiel eine tonnenschwere Last von mir ab. Ich konnte wieder atmen. In diesem Moment wusste ich: Das ist keine Flucht. Das ist so etwas wie Fürsorge und es ist richtig.
Jetzt bin ich zu Hause. Und nun nutze ich diese Zeit als Raum. Raum für Heilung. Für Reflexion. Für ehrliche Fragen.
Was ist da eigentlich passiert? Wie kann es sein, dass man einen Lebenstraum jahrzehntelang wie einen kostbaren Schatz in sich trägt – und wenn man ihn endlich auspackt, fühlt er sich plötzlich fremd an? Zu schwer. Zu groß. Vielleicht nicht mehr stimmig. Die vier Wochen vor Hongkong waren ein gewaltiger Kraftakt. Eine innere Anspannung, die ich nicht wahrhaben -nicht zulassen wollte. Ich habe funktioniert, organisiert, geplant – und dabei überhört, was leise in mir gesprochen hat. Beim Nachdenken bin ich auf eine Definition gestoßen, die mich unerwartet tief traf. Sie beschreibt den Reifungsprozess von Früchten:
„Ein Zustand, in dem eine Frucht überreif ist und kurz vor dem Verderben steht – der Punkt, an dem der Alterungsprozess, die Seneszenz, bereits zu weit fortgeschritten ist.“
Vielleicht war mein Traum nicht reif, nicht unreif, vielleicht war er überreif. Vielleicht lag er zu lange in der Warteschleife meines Lebens, bis er innerlich gekippt ist. Und ich habe die Warnsignale ignoriert – dass sich auch Lebensträume verändern. Heute weiß ich: Es ist gut so, wie es ist. Ich kehre nicht gescheitert zurück, sondern verwandelt. Ich bin um eine Erfahrung reicher, die mich Demut gelehrt hat. Und ich lerne gerade, dass Heilung nicht bedeutet, stark zu bleiben – sondern ehrlich zu werden. Die eigenen Grenzen anzuerkennen. Meine Reise geht weiter. Nur anders. Langsamer. Erdiger. Näher an mir. Mit dem Wohnmobil, mit meinen Liebsten, neugierig und wach durch Europa. Interessiert an Menschen, an Landschaften, an Begegnungen – ohne dass meine Seele den Anschluss verliert.
Vielleicht ist das die reifere Form des Reisens: nicht weiter, sondern wahrhaftiger.
Danke, dass ihr da seid. Dass ihr mitgeht.
Und dass ihr mich auch auf diesem neuen Weg begleitet.
Alles Liebe der Ralf

Wow! Dieser ehrliche Einblick in Ihre „besondere“ Reise ist klasse, lieber Herr Weidner! Danke!
Wünsche Ihnen, dass Sie so Schritt für Schritt erleben, wie es weiter geht, dass es richtig gut zu Ihnen passt!
Mir sonnigen Frühlingsgrüßen aus Velbert!
Sr. Bettina
Hallo Ralf,
es haut mich gerade ein bisserl aus der Spur deine Worte zu lesen.
Aber genau so habe ich dich kennenlernen dürfen, mit deiner ehrliche, geradlinigen Art!
Manchmal passieren Dinge, die man nicht gleich versteht, oder auch irgendwie verdrängt. Du hast dich richtig entschieden auf deine gute Seele zu hören. Ich wünsche dir alles Gute. 🍀👍🏼
Herzliche Grüße aus Sprendlingen
Helga
Vielleicht weil ich mich in vielen Jahren innerlich dir verbunden fühlte, bin ich jemand der dich jetzt besonders mitfühlend versteht.
So sehr ich mich gefreut hatte, dass dein langgehegter Traum nun endlich real an deine Tür klopfte, so freue ich dass dein Innerstes dich die Tür nur einen Spalt öffnen lies.
Große Achtung deine Schlussfolgerung die dieser Lichtspalt dir vermittelte, nicht den starken Mann zu spielen sondern auf deine Seele zu hören.