Reisefotografie ist für mich nicht der Auslöser den man drückt, sondern eine Haltung, wenn ein Foto entsteht. Ich erschließe mir neue Orte genauso. Umhergehen, wirken lassen und dann im richtigen Moment stehen bleiben. Den Augenblick wie durch eine Pausentaste anhalten. Was ist es? Was macht gerade den Moment zu einem besonderen Moment? Was muss ich zeigen, damit genau dieser Augenblick erlebbar wird. Und zwar ohne Worte! Ich bin davon überzeugt, wenn jemand ein Foto erklären muss, ist irgendwas schiefgelaufen. Eine Fotografie, die etwas erzählt, braucht keinen „Erklär-August“. Ich mag das Unaufgeregte. Das Echte. Die Momente, die sich nicht aufdrängen, aber bleiben. Die Atmosphäre, die man nicht beschreiben, sondern nur fühlen kann.
Im letzten Herbst-Urlaub habe ich an einem Fotowettbewerb auf dem Campingplatz teilgenommen. Aufgabe: Besondere Augenblicke des Aufenthaltes einfangen. Keine weiteren Einschränkungen. Das macht es nicht einfacher! Kein Spektakel, kein Postkartenmotiv. Atmosphäre. Momente. Spuren. Das Ganze scheint ein Auftrag, wie ein Raum ohne Wände – man muss es füllen, ohne den Rahmen zu kennen.
Wer Lust hatte teilzunehmen, sollte maximal fünf Bilder einreichen. Heute kam die Nachricht, eines meiner Bilder wurde prämiert!
Ich spüre ein leises Gefühl, dass das Bild offenbar getan hat, was ich mir wünsche: Es hat erzählt. Ohne Worte. Vielleicht ist es genau das, was Fotografie für mich ausmacht: Der Moment, in dem man nicht erklären muss, was man gesehen hat, weil man es fühlen kann. Also mache ich weiter. Komponiere statt zu knipsen. Beobachte, nehme wahr statt vorbei zu ziehen. Und vertraue darauf, dass manchmal das stillste Foto den Moment am besten hervorbringt.
Übrigens, das ist es.
