566 Jahre alt ist die Glocke in dem kleinen Glockenturm, an dem ich heute auf meiner Fahrradtour vorbeikomme. Was für eine Zahl! Wie soll ich das einordnen? Ich frage mich, was wohl zu dieser Zeit in meiner Heimatstadt Frankfurt los
Ein gewisser Johannes Gutenberg, Buchdrucker aus Mainz, hat gerade Ablassbriefe aus seiner Druckerei geliefert und führt seine Bibelblätter vor. Vielleicht ist das der Beginn einer ganz neuen Art, christliche Schriften unter die Menschen zu bringen – heute bekannt als Blättermission.
Und hier, in der Provinz Friesland, wird eine Glocke gegossen, vor der ich heute stehe. Sie stammt aus dem Jahr 1460 und war ursprünglich für eine Kirche bestimmt, die hier einmal stand – bis sie 1722 abgerissen wurde. Über die Umstände des Abriss finde ich leider keine Informationen, schade. Aber, der heutige Glockenturm wurde dann 1901 errichtet.
Geblieben ist bis heute nur der alte Friedhof. 1460 – wie viele Geschichten könnte diese Glocke wohl erzählen? Wie viele Menschen haben ihren Klang gehört, wie viele Generationen hat sie kommen und gehen sehen? Was mag sie alles erlebt haben, während sich die Welt um sie herum veränderte?
Ich stehe noch eine Weile da, betrachte den alten Glockenstuhl und den stillen Friedhof. Dann schwinge ich mich wieder aufs Fahrrad. Doch die Gedanken bleiben. Eine 566 Jahre alte Glocke – und plötzlich ist die Vergangenheit gar nicht mehr so weit entfernt.