Bad-Karlshafen ist eine Hugenottenstadt. Sie wurde von Glaubensflüchtlingen, heute würde man Asylanten sagen, gegründet. Meine Heimatstadt, Neu-Isenburg ist auch eine Hugenottenstadt, die unter ähnlichen Bedingungen gegründet wurde. Also ist klar das es mich interessiert, wenn es hier ein Hugenottenmuseum gibt. Was ich dort gesehen habe, hat mich nachhaltig beeindruckt – besonders, wenn man die Geschichte dieser Einwanderungsbewegungen vor dem Hintergrund der heutigen Flüchtlingsdebatten betrachtet.
1687, auf dem Höhepunkt der damaligen Flüchtlingswelle, kamen zum Beispiel rund 9.000 Flüchtlinge nach Schaffhausen – eine astronomische Zahl für eine Stadt mit gerade einmal etwa 5.000 Einwohnern. Ob damals wohl auch jemand sagte: „Wir schaffen das“? Viele zogen weiter, aber die Schweiz wäre ohne diese Flüchtlinge heute ein anderes Land.
Übrigens würde es ohne die Hugenotten vermutlich auch die lila Kuh nicht geben. Der Schweizer Schokoladenhersteller Suchard beziehungsweise dessen Gründer Philippe Suchard stammte aus einer hugenottischen Familie. Sein Urgroßvater floh 1696 in die Schweiz. Nach einer Lehre als Zuckerbäcker eröffnete Philippe Suchard 1825 seine erste Confiserie in Neuenburg und begann bald mit der Herstellung von leckerer Schokolade. Zum Programm gehört natürlich die Milka-Schokolade, die von Anfang an lila war und mit einer Kuh derselben Farbe versehen wurde, was so manche Stadtkinder heute noch glauben läßt, dass es lila Kühe gibt.
Besonders bemerkenswert war für damalige Zeiten revolutionären Sozialleistungen von Suchard:
Verbilligte Werkswohnungen – Unfallversicherung – Betriebskrankenkasse – Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – Bezahlte Urlaubstage. Diese Leistungen waren im 19. Jahrhundert alles andere als selbstverständlich. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – dieser Investitionen in die Mitarbeiter wurde Suchard wirtschaftlich äußerst erfolgreich.
Soweit ein kleiner Ausflug in eine Geschichte, die irgendwie auch zu mir gehört. Schön ist für mich außerdem die Erkenntnis, dass ein Teil der Hugenotten ursprünglich aus dem Großraum Turin stammte – denn im Herzen war ich schon immer ein wenig Italiener.
Das ist ja wieder mal hochinteressant mit diesem geschichtlichen Rückblick.
Wer könnte das besser darbringen!
Das ist nett. Dankeschön! Mir macht es auch wirklich Spaß, auf Reisen das eher außergewöhnliche zu suchen.
cooler Bericht, macht Lust, Bad Karlshafen mal selber zu besuchen.
Danke dir
Sehr gerne! Für einen echten Isseborjer ist das natürlich ein ganz besonderer Ort.
Und auch Bad Karlshafen selbst fand ich als „Installation“ einfach großartig. Irgendwie ist die Stadt der freundliche „Boomer“ unter den Städten: ein bisschen in die Jahre gekommen, hier und da zwickt’s zwar, aber insgesamt herrlich fröhlich, lebenslustig und nahbar. Keine Hochglanzkulisse, sondern ein Ort mit Charakter, Charme und einer guten Portion Gelassenheit.
Und genau dies macht die Stadt so besonders – vielleicht auch, weil es sich manchmal erstaunlich ähnlich anfühlt wie mein (unser?) derzeitiges Lebensgefühl!